Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) , TCM und Ayurveda – ein Vergleich

Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) , TCM und Ayurveda – ein Vergleich

Ursprung und Herkunft der TTM

Die Traditionelle Tibetische Medizin, genannt Sowa Rigpa, die „Wissenschaft des Heilens“, zählt neben der traditionellen chinesischen Medizin und dem indischen Ayurveda zu den drei großen naturheilkundlich wirkenden Traditionen Asiens. Man geht davon aus, dass ihre Wurzeln etwa 8.000 Jahre zurückreichen. Yogis, die zurückgezogen in der Natur lebten, entdeckten die Heilwirkungen bestimmter Pflanzen, indem sie das Verhalten der Tiere beobachteten, welche instinktiv heilende Pflanzen zur Behandlung von Verletzungen verwendeten. Weitere Erkenntnisse zur Heilwirkung bestimmter Nahrungsmittel, Thermalwasser und anderer Naturschätze sowie die positiven Wirkungen äußerer Therapien bilden zusammengenommen einen Wissensschatz, der bewahrt und von alten Heilern weitergegeben wurde. Im 12. Jahrhundert brachte Yuthok Yonten Gonpo der Jüngere seine klinischen Studien zum Gyud Zhi, den Vier Tantras der Medizin, zum Abschluss. Diese Form der Vier Tantras bildet bis heute die Basis der Tibetischen Medizin, die in Tibet, Indien, Nepal, Bhutan, Ladakh und der Mongolei, sowie Teilen von Russland weit verbreitet ist.

Hierbei wird die Absicht verfolgt, spirituelle Praxis und therapeutische Arbeit miteinander zu verbinden. Die Traditionelle Tibetische Medizin weist eine große Komplexität auf in Bezug auf ihren gesamten Aufbau und der Methodik. Der Schwerpunkt liegt auf einem ganzheitlichen Ansatz, um sowohl geistige als auch körperliche Gesundheit zu erhalten oder zu erreichen. In der TTM vereint sich die Weisheit verschiedener Heilsysteme: des indischen Ayurveda, der chinesischen Medizin, persischen Unani-Medizin und dem uralten Wissen der mongolischschamanischen Bönmedizin. Sie ist somit eine sehr komplexe und umfangreiche Methode zur Aufrechterhaltung der Gesundheit und Behandlung von Krankheiten.

Die Kosmologie in der tibetischen Therapie

Aus den fünf Elementen (Raum, Feuer, Erde, Wasser und Luft) besteht nicht nur die äußere Dimension, das Universum, in dem wir leben, sondern auch die innere Dimension unseres Körpers. Die drei Säfte, bzw. Grundenergien, die im Ayurveda als Vata, Pitta und Kapha bezeichnet werden: Lung (Wind), Tripa (Galle) und Beken (Schleim) werden wiederum aus den fünf Elementen gebildet. Sie haben ihren jeweiligen Sitz in bestimmten Körperregionen und stehen in Zusammenhang mit sogenannten Geistesgiften: Anhaftung und Begierde stehen dabei mit Lung in Verbindung, Wut und Zorn mit Tripa und die Unwissenheit und Ignoranz mit Beken. Weiterhin haben alle fünf Elemente spezielle Funktionen, beziehen sich auf eine der fünf Sinne und haben ihr Pendant in bestimmten Organen und Gliedmaßen. Ein Übermaß oder Mangel von einer oder mehrerer Grundenergien führt zu Störungen im System, was sich dann in Form von Symptomen oder Krankheiten zeigt. Das Ziel der Traditionellen tibetischen Medizin ist daher die Harmonisierung und Balance der fünf Elemente und der verschiedenen Energieformen.

Was sind die Diagnosemethoden in der TTM?

Um ein bestehendes Ungleichgewicht innerhalb der drei Energieformen herauszufinden, wird ein tibetischer Arzt oder Heiler immer eine Urinanalyse durchführen, die ihren Ursprung in den schamanischen Praktiken der Bön-Tradition hat. Den Urin zu untersuchen, ist sehr wichtig, da diese im Gegensatz zu der außerdem durchgeführten Pulsdiagnose, welche subtilere Informationen über den Status der inneren Organe gibt, direkte Auskunft über das Innere des Körpers erteilt. Der Urin ist laut Ansicht der TTM der Spiegel des Körperinneren und stellt somit eine einfache und direkte Methode dar, um den Zustand des Patienten zu verstehen. Weiterhin werden neben einer Befragung des Patienten auch Augendiagnostik und die Beachtung von Form und Aussehen der Lippen als Diagnosemethoden eingesetzt.

Welche verschiedenen Behandlungsmethoden gibt es in der TTM?

Die Vorbeugung von Krankheiten ist bei der TTM mindestens ebenso wichtig wie deren Behandlung. Dazu werden die verschiedensten Behandlungsformen eingesetzt. Neben der traditionellen tibetischen Massage Ku Nye sowie der Moxabustion, dem Schröpfen oder dem Räuchern, der aus der Tradition der TCM stammenden Akupressur oder der Akupunktur mit der goldenen Nadel, tibetischem Heilyoga Lu Jong, Meditation, dem Rezitieren von Mantras und der Lehre über die richtige Lebensführung spielt das Wissen über die typgerechte Ernährung eine zentrale Rolle. Die Tibetische Medizin ist eine Konstitutionslehre auf Basis der drei o.g. Grundenergien. Jeder Mensch trägt eine individuelle Mischung dieser drei Wirkungsprinzipien in sich, sodass sich sieben verschiedene Konstitutionstypen bilden können. Laut der TTM gibt es bis zu 84.000 verschiedene Störungen, die auftreten können, die wiederum in 404 Haupterkrankungen unterteilt werden. Sämtliche Erkrankungen werden anhand ihrer Wirkkräfte in kalte oder heiße Krankheiten oder einer Kombination aus beidem unterteilt. Alle für eine Behandlung eingesetzten Substanzen (Kräuter, Mineralien o.ä.) sowie alle therapeutischen Maßnahmen können ebenfalls in diese Kategorien eingeteilt werden. Wichtige Grundlage und Voraussetzung für einen gesunden Körper und Geist ist ein optimal funktionierendes Verdauungsfeuer (medrö), ohne das Störungen in der Verdauung auftreten können und das innere Feuer (tummo) nicht entfacht werden kann, das zur Glückseligkeit führt.

Die Traditionelle tibetische Medizin stellt also eine naturheilkundliche Behandlungsmethode dar, die das Wissen aus verschiedenen Traditionen und Praktiken gesammelt und vervollständigt hat und deren Absicht die Herstellung eines inneren Gleichgewichts des Menschen ist.

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Karin Savignano

 

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E-Mail: karin.savignano@soundsandsilence.de

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Vielen Dank, liebe Karin für diesen spannenden Einblick!

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