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Poria cocos – Schlaf, Darm und Immunsystem sind enger verbunden, als lange gedacht

Poria cocos – Schlaf, Darm und Immunsystem sind enger verbunden, als lange gedacht

Warum guter Schlaf nicht erst am Abend beginnt

Jede Nacht laufen in unserem Körper Milliarden biologischer Prozesse ab. Nervenzellen verarbeiten Informationen des Tages, Immunzellen verändern ihre Aktivität, Stoffwechselprodukte werden abgebaut und Gewebe beginnt sich zu regenerieren. Viele dieser Vorgänge finden überwiegend während des Schlafs statt.[1]

Deshalb bedeutet schlechter Schlaf weit mehr als Müdigkeit am nächsten Morgen. Bereits wenige Nächte mit verkürztem oder unterbrochenem Schlaf können Entzündungsprozesse verstärken, die Insulinsensitivität verschlechtern und zahlreiche regulatorische Prozesse im Körper beeinflussen.[2][3]

Erholsamer Schlaf entsteht deshalb nicht allein im Gehirn. Er hängt von biologischen Systemen ab, die den gesamten Tag über miteinander arbeiten.

Genau an dieser Schnittstelle wird Poria cocos untersucht.

Der auch als Kiefernschwamm bekannte Vitalpilz enthält Polysaccharide, Beta-Glucane und Triterpene. Diese Stoffgruppen werden in unterschiedlichen Forschungsgebieten mit Schlafqualität, Darmmikrobiom, Immunregulation und dem Flüssigkeitshaushalt in Verbindung gebracht.

Besonders interessant ist dabei die Forschung zur Schlafqualität.

Schlafqualität lässt sich messen

Wer gut schläft, verbringt nicht automatisch viele Stunden im Bett. Entscheidend ist, wie stabil der Schlaf verläuft. Schlafmediziner messen deshalb nicht nur die Gesamtschlafdauer, sondern auch, wie häufig Menschen nachts aufwachen, wie lange sie wach liegen und wie sich die verschiedenen Schlafphasen zusammensetzen.

Genau diese Parameter untersuchten Wissenschaftler in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit Poria-cocos-Extrakt.

Erwachsene mit Schlafproblemen erhielten mehrere Wochen lang Poria-cocos-Extrakt oder ein Placebo. Die Ergebnisse wurden nicht nur mit Fragebögen erfasst, sondern zusätzlich mittels Polysomnographie im Schlaflabor objektiv gemessen.[4]

In der Poria-Gruppe wurden unter anderem Veränderungen der Gesamtschlafzeit, der nächtlichen Wachzeit und einzelner Schlafphasen beobachtet.[4]

Die Studie ist aufgrund ihrer kleinen Teilnehmerzahl noch kein abschließender Beleg. Sie ist jedoch besonders interessant, weil Poria cocos hier unter kontrollierten Bedingungen am Menschen untersucht und die Schlafqualität zusätzlich anhand objektiver Parameter gemessen wurde.

Das Darmmikrobiom arbeitet rund um die Uhr

Während wir schlafen, sind Milliarden Darmbakterien weiterhin aktiv. Sie bauen Pflanzenfasern und komplexe Polysaccharide ab, die unser Körper selbst kaum verdauen kann.

Erst durch diese bakterielle Fermentation entstehen Stoffwechselprodukte wie Butyrat, Acetat und Propionat. Diese kurzkettigen Fettsäuren versorgen die Darmschleimhaut mit Energie und beeinflussen gleichzeitig Immunprozesse sowie die Kommunikation zwischen Darm und anderen Organen.[5]

Zu diesen komplexen Strukturen gehören auch die Polysaccharide aus Poria cocos. Genau sie stehen im Mittelpunkt aktueller Untersuchungen zum Darmmikrobiom.

Eine 2025 veröffentlichte Studie analysierte, wie Poria-cocos-Polysaccharide von menschlicher Darmmikrobiota verstoffwechselt werden. Während der Fermentation veränderten sich sowohl die Bildung kurzkettiger Fettsäuren als auch verschiedene Bakteriengruppen innerhalb des untersuchten Mikrobioms.[6]

Die Untersuchung zeigt damit, dass Poria-cocos-Polysaccharide nicht einfach unverändert durch den Darm wandern. Sie können von Darmbakterien aktiv verstoffwechselt werden und dabei das mikrobielle Stoffwechselmilieu beeinflussen.

Genau dieser Mechanismus gilt heute als einer der interessanten Forschungsbereiche rund um funktionelle Pilzpolysaccharide.

Poria cocos und die Immunregulation

Nicht jede Entzündung verursacht Schmerzen oder Fieber. Viele entzündliche Prozesse können über längere Zeit weitgehend unbemerkt verlaufen und dennoch die Aktivität des Immunsystems beeinflussen.

Der Darm spielt dabei eine besondere Rolle. Darmbarriere, Mikroorganismen und Immunzellen stehen in engem Austausch miteinander und bilden eine wichtige Schnittstelle zwischen Ernährung, Umwelt und Immunsystem.

Auch Poria-cocos-Polysaccharide werden in diesem Zusammenhang untersucht.

Experimentelle Studien beschreiben Veränderungen verschiedener Immunzellen sowie entzündungsregulierender Signalwege wie NF-κB. Gleichzeitig wurden Veränderungen bei der Freisetzung verschiedener Zytokine beobachtet.[7]

Diese Ergebnisse liefern eine mögliche biologische Erklärung dafür, warum Poria cocos heute nicht nur im Zusammenhang mit Schlaf und Darmmikrobiom, sondern auch mit der Regulation des Immunsystems untersucht wird.

Die Forschung befindet sich in diesem Bereich allerdings noch überwiegend auf experimenteller Ebene. Welche Bedeutung die beobachteten Mechanismen beim Menschen haben, muss daher weiter untersucht werden.

Warum Poria cocos seit Jahrhunderten mit dem Flüssigkeitshaushalt verbunden wird

Bereits kleine Verschiebungen des Flüssigkeitshaushalts können die Funktion von Organen und Geweben beeinflussen. Genau deshalb spielte Poria cocos in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten eine besondere Rolle.

Poria cocos gehört zu den wenigen Vitalpilzen, die in der traditionellen chinesischen Medizin gezielt im Zusammenhang mit dem Flüssigkeitshaushalt eingesetzt wurden.

Moderne pharmakologische Untersuchungen greifen dieses Thema erneut auf und beschäftigen sich vor allem mit den enthaltenen Triterpenen.

Experimentelle Studien beschreiben unter anderem Einflüsse auf Signalwege, die an der Nierenfunktion, der Regulation des Elektrolythaushalts sowie entzündungsbedingten Veränderungen des Gewebes beteiligt sind.[8]

Ein großer Teil dieser Erkenntnisse stammt bislang aus experimentellen Untersuchungen. Welche Bedeutung diese Mechanismen beim Menschen haben, ist weiterhin Gegenstand aktueller Forschung.

Quellen

[1] Xie L, Kang H, Xu Q, et al. Sleep Drives Metabolite Clearance from the Adult Brain. Science. 2013;342(6156):373–377.

[2] Irwin MR. Sleep and Inflammation: Partners in Sickness and in Health. Nature Reviews Immunology. 2019;19(11):702–715.

[3] Broussard JL, Ehrmann DA, Van Cauter E, Tasali E, Brady MJ. Impaired Insulin Signaling in Human Adipocytes After Experimental Sleep Restriction. Annals of Internal Medicine. 2012;157(8):549–557.

[4] Kim H, Choi H, Park BG, Ju HJ, Kim YI. Efficacy of Poria Cocos Extract on Sleep Quality Enhancement: A Clinical Perspective with Implications for Functional Foods. Nutrients. 2023;15(19):4242.

[5] Koh A, De Vadder F, Kovatcheva-Datchary P, Bäckhed F. From Dietary Fiber to Host Physiology: Short-Chain Fatty Acids as Key Bacterial Metabolites. Cell. 2016;165(6):1332–1345.

[6] Zhou X, et al. Regulatory Effects of Poria cocos Polysaccharides on Gut Microbiota and Metabolites: Evaluation of Prebiotic Potential. npj Science of Food. 2025.

[7] Li X, et al. Immunomodulatory Activity and Molecular Mechanisms of Poria cocos Polysaccharides. Molecules. 2024.

[8] Guo ZY, et al. Poria cocos: Traditional Uses, Triterpenoid Components and Renoprotective Pharmacology. Acta Pharmacologica Sinica. 2025.