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Bockshornklee: Zwischen Stoffwechsel und hormoneller Regulation

Bockshornklee: Zwischen Stoffwechsel und hormoneller Regulation

Bockshornklee kennt man vor allem als Gewürz. Doch seine Samen enthalten eine überraschende Vielfalt an Pflanzenstoffen: lösliche Ballaststoffe wie Galactomannane, verschiedene Saponine, das Alkaloid Trigonellin und eine besondere Aminosäure namens 4-Hydroxyisoleucin.

Diese Zusammensetzung ist auch für die Wissenschaft interessant. Untersucht wird Bockshornklee unter anderem im Zusammenhang mit dem Verdauungs- und Glukosestoffwechsel sowie mit hormonellen Prozessen.

Damit führt die Forschung zu einer spannenden Frage: Wie können die unterschiedlichen Bestandteile des Bockshornklees mit diesen biologischen Systemen zusammenspielen?

Wenn der Stoffwechsel auf Bockshornklee trifft

Besonders intensiv wird Bockshornklee im Zusammenhang mit dem Glukosestoffwechsel erforscht. Dabei stehen nicht nur isolierte Pflanzenstoffe oder hochkonzentrierte Extrakte im Mittelpunkt, sondern auch der ganze Samen.

In einer randomisierten, dreifach verblindeten Humanstudie nahmen 88 Menschen mit Typ-2-Diabetes über acht Wochen täglich entweder 10 Gramm pulverisierte ganze Bockshornkleesamen oder ein Placebo ein.¹

Am Ende der acht Wochen lagen in der Bockshornklee-Gruppe sowohl der Nüchternblutzucker als auch der HbA1c-Wert niedriger als in der Placebogruppe. Gleichzeitig zeigten sich Veränderungen bei Insulin und HOMA-IR. Letzterer wird als Marker zur Einschätzung der Insulinresistenz herangezogen. Auch Triglyceride und Gesamtcholesterin waren niedriger.¹

Damit rückt eine entscheidende Frage in den Mittelpunkt: Was genau ist es am Bockshornkleesamen, das ihn für die Stoffwechselforschung so interessant macht?

Warum der Darm dabei eine entscheidende Rolle spielt

Ein Teil der Antwort führt zunächst nicht ins Blut, sondern in den Verdauungstrakt.

Bockshornkleesamen enthalten natürlicherweise lösliche Ballaststoffe, darunter Galactomannane. Im Verdauungstrakt nehmen sie Flüssigkeit auf und können dadurch den Darminhalt zähflüssiger machen.

Das kann beeinflussen, wie schnell Kohlenhydrate verdaut werden und Glukose aufgenommen wird – und damit auch, wie sich der Blutzucker nach einer Mahlzeit entwickelt.

Genau dieser Zusammenhang wurde auch beim Bockshornklee untersucht. In einer Humanstudie mit übergewichtigen und adipösen Erwachsenen führte die Zugabe von 5,5 Gramm Bockshornklee zu Mahlzeiten zu einer niedrigeren Glukoseantwort nach dem Essen.²

Die Ballaststoffe sind jedoch nur ein Teil dieser Geschichte. Denn Bockshornklee enthält einen weiteren besonderen Bestandteil, der an einer ganz anderen Stelle des Glukosestoffwechsels in den Fokus der Forschung rückt.

4-Hydroxyisoleucin: Eine außergewöhnliche Aminosäure im Fokus

4-Hydroxyisoleucin ist eine nicht-proteinogene Aminosäure, die natürlicherweise in Bockshornkleesamen vorkommt.

Für die Forschung ist sie vor allem deshalb interessant, weil sie mit der Ausschüttung von Insulin in Verbindung gebracht wird.

Bereits 1998 untersuchten Wissenschaftler ihren Einfluss auf isolierte Langerhans-Inseln aus menschlichem und tierischem Gewebe.³

Dabei zeigte sich ein bemerkenswertes Muster: 4-Hydroxyisoleucin verstärkte die Insulinfreisetzung abhängig von der vorhandenen Glukosekonzentration. Bei niedrigen Glukosewerten blieb der Effekt aus. Mit steigender Glukosekonzentration nahm dagegen auch die Insulinantwort zu.³

Genau diese Glukoseabhängigkeit machte die Aminosäure für die weitere Stoffwechselforschung besonders interessant.

Doch Bockshornklee taucht noch in einem zweiten Forschungsfeld auf.

Wenn Stoffwechsel und Hormonsignale zusammentreffen

Stoffwechsel und Hormonsystem werden häufig getrennt betrachtet. Tatsächlich hängen sie eng zusammen: Insulin ist selbst ein Hormon, und zahlreiche hormonelle Signale beeinflussen, wie unser Körper Energie aufnimmt, speichert und bereitstellt.

Daher wird Bockshornklee inzwischen auch im Zusammenhang mit verschiedenen hormonellen Parametern untersucht.

Eine randomisierte, doppelblinde Studie aus dem Jahr 2024 begleitete 95 Männer zwischen 40 und 80 Jahren über zwölf Wochen.⁴ Untersucht wurden verschiedene Dosierungen eines speziellen Bockshornklee-Extrakts und deren Einfluss auf unterschiedliche Testosteronparameter.

Beim Gesamttestosteron im Plasma zeigte sich gegenüber Placebo kein signifikanter Unterschied. Anders sah es beim Testosteron im Speichel aus. Hier lag die Konzentration unter Bockshornklee gegenüber Placebo signifikant höher. Bei der höchsten untersuchten Dosierung veränderte sich zudem der freie Testosteronindex.⁴

Die Ergebnisse zeigen auch, wie komplex die Bewertung hormoneller Parameter ist: Nicht jeder Messwert entwickelt sich gleich, und „Testosteron“ lässt sich nicht auf einen einzigen Wert reduzieren.

Was die Forschung für das weibliche Hormonsystem zeigt

Auch bei Frauen ist Bockshornklee Gegenstand der Hormonforschung.

48 Frauen in der Perimenopause erhielten über 42 Tage entweder einen standardisierten Bockshornklee-Extrakt oder ein Placebo.⁵ Die Forschenden untersuchten dabei sowohl typische Begleiterscheinungen dieser Lebensphase als auch verschiedene hormonelle Parameter.

Im Verlauf der Studie wurden unter anderem Unterschiede bei Estradiol, Progesteron, freiem Testosteron, FSH und SHBG beobachtet.⁵

Damit zeigt sich: Bockshornklee wird nicht nur im Zusammenhang mit dem Glukose- und Insulinstoffwechsel untersucht. Auch hormonelle Prozesse bei Männern und Frauen sind inzwischen Teil der klinischen Forschung.

Eine Pflanze mit vielen Facetten

Verdauung, Glukosestoffwechsel und Hormone wirken zunächst wie getrennte Themen. Tatsächlich greifen diese Prozesse im Körper an vielen Stellen ineinander.

Genau das macht Bockshornklee so interessant: Seine Samen enthalten nicht nur einen bestimmten Wirkstoff, sondern ein natürliches Zusammenspiel aus löslichen Ballaststoffen, Saponinen, Trigonellin, 4-Hydroxyisoleucin und weiteren Pflanzenstoffen.

Lange vor allem als Gewürz und aus der traditionellen Pflanzenkunde bekannt, wird Bockshornklee heute wissenschaftlich aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht.

Dabei entsteht ein zunehmend vielseitiges Bild einer Pflanze, deren Inhaltsstoffe sowohl im Verdauungs- und Glukosestoffwechsel als auch im Zusammenhang mit hormonellen Prozessen Gegenstand der Forschung sind.

Quellen

¹ Hassanzadeh Bashtian M, et al. Effect of Fenugreek Seeds on Serum Metabolic Factors and Adiponectin Levels in Type 2 Diabetic Patients. Int J Vitam Nutr Res. 2014;84(3–4):196–205.

² Mathern JR, Raatz SK, Thomas W, Slavin JL. Effect of fenugreek fiber on satiety, blood glucose and insulin response and energy intake in obese subjects. Phytother Res. 2009;23(11):1543–1548.

³ Sauvaire Y, Petit P, Broca C, et al. 4-Hydroxyisoleucine: a novel amino acid potentiator of insulin secretion. Diabetes. 1998;47(2):206–210.

⁴ Lee-Ødegård S, Gundersen TE, Drevon CA. Effect of a plant extract of fenugreek (Trigonella foenum-graecum) on testosterone in blood plasma and saliva in a double blind randomized controlled intervention study. PLoS One. 2024;19(9).

⁵ Khanna A, John F, Das S, et al. Efficacy of a novel extract of fenugreek seeds in alleviating vasomotor symptoms and depression in perimenopausal women: A randomized, double-blinded, placebo-controlled study. J Food Biochem. 2020;44(12).