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Gefäßgesundheit beginnt in der Gefäßwand – Brennnessel, Weinrebenblatt und Rosskastanie im Fokus

Gefäßgesundheit beginnt in der Gefäßwand – Brennnessel, Weinrebenblatt und Rosskastanie im Fokus

Unsere Blutgefäße transportieren täglich mehrere tausend Liter Blut durch den Körper. Dabei denken die meisten vor allem an den Blutfluss selbst. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Struktur der Gefäßwand.

Denn Gefäße sind keine starren Röhren. Sie müssen elastisch bleiben, Belastungen standhalten und gleichzeitig einen kontrollierten Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen und Flüssigkeit ermöglichen.

Mit zunehmendem Alter, langem Sitzen, Bewegungsmangel oder dauerhaft erhöhtem oxidativem Stress können sich Funktion und Belastbarkeit der Gefäßwand verändern. Freie Radikale beeinflussen Gefäßzellen, während gleichzeitig auch die Leistungsfähigkeit der Mikrozirkulation eine wichtige Rolle für die Versorgung des Gewebes spielt.¹

Warum die Gefäßwand so entscheidend ist

Die Gesundheit unserer Gefäße hängt nicht allein von Cholesterinwerten oder Blutdruck ab.

Die Gefäßwand besteht aus hochspezialisierten Endothelzellen, Kollagenfasern und elastischen Strukturen. Sie reguliert den Blutfluss, beeinflusst den Austausch mit dem umliegenden Gewebe und entscheidet mit darüber, wie effizient Sauerstoff und Nährstoffe transportiert werden.²

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Endothel – die dünne Zellschicht, die das Innere unserer Blutgefäße auskleidet.

Diese Zellen reagieren kontinuierlich auf mechanische, metabolische und biochemische Signale und sind unter anderem an der Regulation von Gefäßweite, Blutfluss und entzündungsbezogenen Prozessen beteiligt.

Oxidativer Stress zählt dabei zu den Faktoren, die die Funktion von Gefäßzellen beeinflussen können.³

Wer Gefäßgesundheit verstehen möchte, sollte deshalb nicht nur den Blutfluss betrachten, sondern auch die Struktur und Regulation der Gefäßwand selbst.

Brennnessel – traditionelle Pflanze mit moderner Relevanz

Die Brennnessel (Urtica dioica) gehört zu den traditionsreichsten Heilpflanzen Europas.

Sie enthält eine Vielzahl bioaktiver Pflanzenstoffe, darunter Flavonoide, Phenolsäuren und Phytosterole wie Beta-Sitosterol.⁴

Besonders intensiv untersucht werden dabei ihre antioxidativen Eigenschaften. Experimentelle Studien zeigen, dass Brennnessel-Extrakte mit reaktiven Verbindungen interagieren und antioxidative Aktivität aufweisen können.⁵

Damit ist die Brennnessel heute nicht nur aus traditioneller Perspektive interessant, sondern auch im Zusammenhang mit der Erforschung pflanzlicher Inhaltsstoffe und oxidativer Prozesse.

Weinrebenblatt und Mikrozirkulation

Rote Weinrebenblätter enthalten ein breites Spektrum an Flavonoiden und Polyphenolen.

Besonders interessant ist ihre wissenschaftliche Untersuchung im Zusammenhang mit venösen Gefäßen und der Mikrozirkulation.

Klinische Studien mit standardisierten Weinrebenblatt-Extrakten untersuchten unter anderem Veränderungen der Mikrozirkulation sowie verschiedener Parameter bei chronischen venösen Beschwerden.⁶⁻⁷

Auch die enthaltenen Polyphenole stehen aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften und ihrer möglichen Interaktionen mit Gefäßstrukturen im Fokus der Forschung.⁸

Gerade diese Kombination aus traditioneller Anwendung und klinischer Untersuchung hat rote Weinrebenblätter zu einem wichtigen Forschungsgegenstand im Bereich venöser Gefäßprozesse gemacht.

Rosskastanie und venöse Gefäßfunktion

Kaum eine Heilpflanze wurde im Zusammenhang mit venöser Gesundheit so intensiv untersucht wie die Rosskastanie.

Ihr charakteristischer Inhaltsstoff Aescin gehört zu den am besten erforschten pflanzlichen Substanzen in diesem Bereich.⁹

Mehrere kontrollierte Studien sowie eine Cochrane-Analyse beschäftigten sich mit standardisierten Rosskastaniensamen-Extrakten bei chronischer venöser Insuffizienz.¹⁰ Dabei wurden unter anderem Parameter wie Beinschwellungen, Schmerzen und weitere venöse Beschwerden untersucht.

Die Rosskastanie nimmt deshalb innerhalb der pflanzlichen Gefäßforschung eine besondere Stellung ein, da zu ihr vergleichsweise umfangreiche klinische Daten vorliegen.

Kupfer und Mangan als Bestandteile des Bindegewebsstoffwechsels

Neben sekundären Pflanzenstoffen spielen auch essenzielle Spurenelemente eine Rolle für die Strukturen, aus denen Gefäßwände aufgebaut sind.

Kupfer trägt zur Erhaltung von normalem Bindegewebe bei und unterstützt den Schutz der Zellen vor oxidativem Stress.

Mangan trägt zur normalen Bildung von Bindegewebe bei und unterstützt ebenfalls den Schutz der Zellen vor oxidativem Stress.

Bei diesen Aussagen handelt es sich um in der Europäischen Union zugelassene gesundheitsbezogene Angaben.

Beide Spurenelemente stehen damit in einem physiologischen Zusammenhang mit jenen strukturellen und antioxidativen Prozessen, die auch für die langfristige Stabilität von Gefäß- und Bindegewebe relevant sind.

Warum Gefäßgesundheit mehrere Strukturen betrifft

Gefäße bestehen nicht nur aus einem einzelnen Gewebetyp.

Endothelzellen, Kollagenstrukturen, elastische Fasern und antioxidative Schutzsysteme arbeiten permanent zusammen. Veränderungen in einem dieser Bereiche können deshalb auch andere Strukturen beeinflussen.

Genau aus diesem Grund betrachtet die moderne Gefäßforschung heute unterschiedliche Prozesse parallel: die Funktion des Endothels, die Stabilität des Bindegewebes, die Mikrozirkulation sowie oxidative und entzündungsbezogene Belastungen.

Auch Pflanzenstoffe werden zunehmend nicht ausschließlich anhand eines einzelnen isolierten Mechanismus untersucht. Unterschiedliche Pflanzen liefern verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, die wiederum an unterschiedlichen biologischen Prozessen beteiligt sein können.

Brennnessel, Weinrebenblatt und Rosskastanie stehen dabei aus jeweils unterschiedlichen Gründen im wissenschaftlichen Fokus – von antioxidativen Pflanzenstoffen über Mikrozirkulation bis hin zur venösen Gefäßfunktion.

Quellen

[1] Förstermann U, Münzel T. Endothelial dysfunction and vascular disease. Circ Res. 2006.

[2] Gimbrone MA, García-Cardeña G. Endothelial Cell Biology and Vascular Disease. Circ Res. 2016.

[3] Madamanchi NR et al. Oxidative Stress and Vascular Disease. Arterioscler Thromb Vasc Biol. 2005.

[4] Chrubasik JE et al. Urtica dioica: Review of its medicinal uses. Phytomedicine. 2007.

[5] Gülçin I et al. Antioxidant activity of Urtica dioica. J Ethnopharmacol. 2004.

[6] Kalus U et al. Improvement of microcirculation by red vine leaf extract. Arzneimittelforschung. 2004.

[7] Rabe E et al. Efficacy of red vine leaf extract in chronic venous disorders. Arzneimittelforschung. 2011.

[8] Terra X et al. Grape polyphenols and vascular protection. Nutrition. 2009.

[9] Sirtori CR. Aescin: pharmacology and therapeutic applications. Pharmacol Res. 2001.

[10] Pittler MH, Ernst E. Horse chestnut seed extract for chronic venous insufficiency. Cochrane Database Syst Rev. 2012.